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Wie Du anderen Menschen bei psychischen Problemen helfen kannst

In Deiner Familie oder Deinem Freundeskreis gibt es einen Menschen mit psychischen Problemen? Vielleicht hat sich Dein/e Freund*in in letzter Zeit stark verändert oder Du machst Dir Sorgen, weil Deine Schwester oder Dein Bruder sich schon seit Wochen extrem komisch verhält. Wenn psychische Probleme ins Spiel kommen, fühlen wir uns schnell hilflos und überfordert. Natürlich wollen wir helfen. Aber das ist oft nicht einfach. Hier kommen ein paar Vorschläge, die Dich dabei unterstützen können.

Gib auf Dich Acht!

Vielleicht wundert es Dich, diesen Rat gleich als Erstes zu lesen. Doch er ist sehr wichtig! Es wird im Zusammensein mit dem psychisch erkrankten Menschen immer Situationen geben, in denen Du Dich unwohl, unsicher, frustriert oder auch einfach nur wütend fühlst. Das ist okay. Aber es sollte für Dich auch ein Signal sein, dass Du Dich vielleicht überforderst. Sprich offen darüber und suche Dir Menschen, mit denen Du darüber reden kannst. Du wirst sehen, allen Menschen, die sich um einen psychisch Erkrankten kümmern, geht es ähnlich.

Trau Dich!

Es ist schwer zu entscheiden, ob jemand nur schlecht drauf ist oder ernste psychische Probleme hat. Wenn sich ein/e Freund*in oder jemand aus Deiner Familie plötzlich und deutlich verändert, wenn er sich scheinbar grundlos zurückzieht und jeden Kontakt vermeidet, wenn er sich irrational verhält oder „komisch“ ist, ohne es selbst zu merken, dann steckt vielleicht mehr dahinter, als nur eine Laune. Aber es gibt auch äußere Anzeichen, die in Dir das Gefühl auslösen können: Da stimmt was nicht. Zum Beispiel, wenn jemand, den Du kennst, sich gar nicht mehr um sein Aussehen kümmert und vielleicht sogar das Deo vergisst – so als wäre plötzlich alles egal. Immer wenn Du solche oder ähnliche Dinge beobachtest, die Dich beunruhigen, darfst Du Deinem Gefühl trauen und es ernst nehmen.

Redet miteinander!

Das Einfachste ist oft auch das Schwierigste: Wenn Du Dir um jemanden ernste Sorgen machst, hilft nur ein offenes Gespräch. Natürlich wirst Du Dir dazu nicht den überfüllten Schulhof in der Frühstückspause aussuchen. Für so ein Gespräch brauchst Du Zeit und Ruhe – und vor allem keine überflüssigen Zuhörer. Sprich einfach offen an, was Dich beunruhigt. Auch wenn es schwer fällt.

Nimm Dir Zeit!

Psychische Probleme lassen sich nicht in 10 Minuten lösen. Wenn es Dir gelungen ist, das Vertrauen von einen betroffenen Menschen zu gewinnen, bedeutet das wahrscheinlich auch, dass Du für ihn und seine Probleme da sein wirst. Du solltest fairerweise also nur Hilfe anbieten, wenn Du bereit bist, Zeit zu investieren.

Sei realistisch!

Schraube Deine Erwartungen herunter. Für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, fühlt sich das Leben oft ganz anders an, als für Dich. Wenn jemand depressiv ist, kann schon der Gedanke, das Bett zu verlassen und den Tag zu beginnen eine furchteinflößende Sache sein. Es ist schwer zu akzeptieren, dass Zuhören und Verständnis manchmal ebenso wenig ausrichten können, wie Kritik und Vorwürfe. Es hat nichts mit Dir zu tun.

Sei geduldig!

Auch wenn Dein/e Freund*in – oder wer auch immer betroffen ist – sich alle Mühe gibt, seine/ihre Probleme in den Griff zu bekommen, kann es länger dauern, bis alles wieder besser wird. Auf Kritik oder zu viele gutgemeinte Ratschläge reagieren viele Menschen in dieser Situation sehr sensibel. Bleib geduldig und optimistisch. Es lohnt sich.

Du bist kein Kindermädchen!

Du willst helfen und das ist wirklich super. Jede*r, der in einer psychischen Krise steckt, braucht verlässliche Freunde. Aber das bedeutet nicht, dass Du Deinem Freund*in, Deinem Bruder oder Deiner Schwester alles abnehmen musst. Viele Dinge können auch Menschen mit psychischen Problemen selbst erledigen – und wollen das auch. Lass Dich nicht für alles einspannen und achte darauf, dass Du dem anderen genügend Freiraum lässt.

Sei normal!

Auch für Menschen mit einer psychischen Erkrankung ist nicht ein Tag, wie der andere. Wann immer es möglich ist, unternehmt etwas, woran ihr schon immer Spaß hattet: Fahrt mit dem Fahrrad zum See, geht Eis essen oder schaut Euch zusammen einen Film an. Nur von Alkohol und andere Drogen solltet Ihr unbedingt die Finger lassen!

Hilfe finden!

Wenn Deine Freundin, Dein Freund oder jemand aus Deiner Familie ernste psychische Probleme hat, kannst Du ihm nicht allein helfen. Es gibt aber eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie Du Hilfe organisieren kannst. Hier findest Du einige wichtige Telefonnummern und Adressen. Vielleicht kannst Du auch mit einem befreundeten Erwachsenen reden. Oder Du hast einen Hausarzt, mit dem Du Dich gut verstehst. Auch er kann weiterhelfen.

Das SeeleFon des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) ist ein guter Ansprechpartner. Hier beraten Dich Menschen, die selbst Erfahrung mit psychisch Erkrankten haben. Das SeeleFon ist anonym. Das heißt, Du musst weder Deinen Namen, noch den Deines Freundes oder von Familienangehörigen nennen. Alle Informationen werden streng vertraulich behandelt.
Telefonnummer: 0228 / 71002424 oder 01805 / 950 951 in der Zeit von:
Montag bis Donnerstag 10:00 bis 12:00 Uhr und 14:00 bis 20:00 Uhr
Freitag 10:00 bis 12.00 Uhr und 14:00 bis 18:00 Uhr
E-Mail: seelefon(at)psychiatrie.de.
Eine erste Antwort bekommst Du (meist) innerhalb von 48 Std.

Hier findest Du mehr zu Hilfen.

Aufgepasst!

Wenn Du folgendes Verhalten beobachtest – öfter und regelmäßig – könnte dies ein Hinweis auf psychische Probleme sein:

  • Schlaflosigkeit
  • ungewöhnliche Müdigkeit
  • gestörter Tages-Nacht-Rhythmus (tagsüber müde und nachts glockenwach)
  • Änderungen des Essverhaltens
  • Rückzug aus dem Freundeskreis
  • grundlose ständige Gereiztheit
  • Motivationslosigkeit
  • innere und äußere Unruhe
  • gesteigerte Aktivität
  • Erschöpfung
  • Interessenlosigkeit
  • Konzentrationsstörungen | Zukunftsängste
  • Selbstzweifel
  • Grübelei
  • Wahnideen
  • Traurigkeit
  • übersteigertes Mitteilungsbedürfnis

Menschen in einer Krise brauchen:

  • Ruhe, Geduld und Zeit
  • Einfühlungsvermögen, Verständnis
  • Achtung und Respekt vor der eigenen Gefühlssituation
  • Ehrlichkeit
  • konkrete Hilfen, z. B. die Übernahme von Telefonaten, Begleitung
    bei Terminen oder auch mal einen leckeren Kuchen 🙂

Menschen in einer Krise brauchen nicht:

  • Druck
  • Hektik
  • Bevormundung
  • Vorwürfe
  • Verharmlosung und falsche Versprechen
  • kluge Ratschläge

Kerstin Trostmann

ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) in Bonn.
Kerstin Trostmann

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