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Wie kann Sport Deiner psychischen Gesundheit helfen?

Gastbeitrag von Martin Schultz

Du suchst nach einer weiteren Möglichkeit, etwas für Deine seelische Gesundheit zu tun? Du hast schon mal gehört, dass Sport bei psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen helfen kann, vielleicht so gut, dass Du keine Medikamente nehmen musst?

Auch heute noch werden gelegentlich nur Psycho- und Pharmakotherapie genannt, wenn es um die Behandlung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen geht. Immer häufiger wird aber auch Bewegung und körperliche Aktivität als drittes hilfreiches Verfahren empfohlen. Zu Recht.

 

„Studien haben gezeigt, dass dreimal in der Woche 30 Minuten Ausdauersport ebenso gut bei einer mittelschweren Depression hilft wie Medikamente. Nach 16 Wochen war die Depression in beiden Gruppen zurückgegangen, unter Medikamenten etwas schneller, doch hier war das Risiko für ein Rezidiv (Rückfall) höher als in der Sportgruppe.“ ( Dr. Iris Hauth, Ärztliche Direktorin des Alexianer St-Joseph Krankenhauses Berlin-Weißensee).

 

Wie bei allen Formen der Behandlung ist über die genaue Wirkung von körperlicher Aktivität auf die Psyche noch wenig bekannt. Wir wissen nur, dass Bewegung wirkt, sowohl therapeutisch als auch präventiv.

 

Bei Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs wird Sport schon länger als Unterstützung zur Behandlung von Ärzten propagiert, ebenso werden heute nach Operationen Patienten sehr schnell wieder mobilisiert. Krankenkassen fördern Präventionssport und in Kliniken wird Bewegung als Therapie angeboten. Ärzte können Rehasport verordnen, und zwar nicht nur Orthopäden und Kardiologen, sondern auch Psychiater! Rehasport bei psychischen Erkrankungen (oft Sport für die Seele genannt) gibt es schon lange, aber man findet leider im Vergleich zu den anderen Krankheiten weniger Angebote, weil die Nachfrage gering ist. Viele Vereine suchen vergeblich nach Teilnehmern, dabei ist die Zahl der diagnostizierten Erkrankten in den vergangenen Jahren gestiegen. Niedergelassene Ärzte und deren Patienten wissen anscheinend noch zu wenig über diese Möglichkeiten Bescheid.

Leider gehört Deutschland zu den ganz wenigen Ländern auf der Welt, in denen sich die Bevölkerung insgesamt heute weniger bewegt als noch vor zehn Jahren. Nicht einmal die Hälfte der Menschen in Deutschland erreicht bei uns die lt. WHO empfohlenen 150 Minuten Bewegung oder 75 Minuten Sport pro Woche. Natürlich ist bei psychisch Erkrankten der Antrieb oft reduziert und es fällt vielen anderen Menschen anscheinend schwer, sich ausreichend zu bewegen. Dabei gibt es so viele Möglichkeiten. Nicht nur „Laufen gegen Depression“ – jede Bewegung ist besser als nichts zu tun.

Mit dem Wissen um die praktisch nebenwirkungsfreie Therapie durch körperliche Aktivität wundere ich mich, warum nicht mehr getan wird, um Bewegung noch stärker zu fördern. Vor allem Menschen, die nicht regelmäßig Sport treiben und zudem durch eine psychische Krise oder Krankheit unter geringem Selbstwertgefühl und fehlender Selbstwirksamkeit leiden, brauchen für den ersten Schritt zu körperlicher Aktivität angemessene Unterstützung. In Berlin unterstützt die AOK Nordost seit einem Jahr ein Selbsthilfeprojekt (www.selbsthilfe-bewegt.de), bei dem wöchentlich ganz unterschiedliche Bewegungsangebote gemacht werden: Von Spaziergängen (mit oder ohne Hund), Radtouren über Bogenschießen, Paddeln, Thai Chi und Tanzen bis zu Klettern und Parkour. So sollen auch diejenigen erreicht werden, die sich in einer Selbsthilfegruppe mit ihrer Erkrankung auseinandersetzen möchten, aber nicht nur im Stuhlkreis miteinander sprechen wollen. Vielleicht findet der eine oder die andere dann auch seinen oder ihren Lieblingssport.

Gemeinsam geht es besser oder wie Handballnationaltorwart Silvio Heinevetter beim Lauf für seelische Gesundheit am 3. August 2018 sagte: „Egal ob man psychisch krank ist oder nicht, man treibt Sport und gemeinsam ist man stärker.“ Deshalb findet einmal im Jahr seit 2016 in Berlin ein Lauf für die seelische Gesundheit statt. Am Rande der Veranstaltung informieren bis zu 50 Organisationen (von Selbsthilfegruppe bis Kliniken) über Hilfs- und Unterstützungsangebote. In diesem Jahr trifft man sich am 10. Oktober auf dem Potsdamer Platz, wo auch die 13. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit eröffnet wird.

Mehr Infos:

www.der-markt.berlin.de

www.der-markt.berlin/der-lauf

Martin Schultz

stellvertretender Vorsitzender des Berliner Behindertenverbands (BBV), Initiator von DER LAUF für die Seelische Gesundheit, Trainer, Husky-Liebhaber und Depressions-Erfahrener
Martin Schultz

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