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Was passiert in einer Psychotherapie?

Du kennst sicherlich auch jemanden, die oder der schon einmal in einer Psychotherapie war. Zum Glück ist es heute weitaus einfacher, darüber zu reden und eine Sitzung beim Therapeuten ist inzwischen fast so normal, wie ein Gang zum Orthopäden. Hier erfährst Du alles über Psychotherapie. Welche Therapiearten gibt es und welche werden in Deutschland von den Krankenkassen übernommen? Welche Methoden kommen dabei zum Einsatz?

Was ist eine Psychotherapie?

„Um die Seele sorgen“ – so könnte der Begriff „Psychotherapie“ wörtlich übersetzt werden. Die Psychotherapie ist uns allgemein bekannt als ein Weg zur Behandlung von psychischen Erkrankungen. Dabei werden Methoden wie psychotherapeutische Gespräche, Entspannungsverfahren oder kognitive Trainings genutzt, um Störungen des Denkens, Handelns und Erlebens zu therapieren.

Die Ausübung von Psychotherapie ist in Deutschland rechtlich geregelt und darf nur von Ärzten mit entsprechender Zusatzqualifikation, von „Psychologischen Psychotherapeuten“ (d. h. Psychologen mit psychotherapeutischer Ausbildung und Approbation) sowie von Heilpraktikern mit psychotherapeutischer Ausbildung ausgeübt werden.

Von Psychotherapie zu unterscheiden sind die Psychologische Beratung und Coaching.

Welche Therapiearten gibt es?

Es gibt eine ganze Reihe von psychotherapeutischen Verfahren. Sie unterscheiden sich darin, wie die Entstehung einer psychischen Krankheit verstanden wird und nutzen deshalb unterschiedliche Therapiekonzepte. Wir stellen Dir hier die 3 gängigsten Verfahren vor, die von der Krankenkasse übernommen werden.

Therapien, die in Deutschland erstattet werden:

Auf dem Weg zu einer Psychotherapie macht es Sinn, sich die verschiedenen Therapiearten näher anzusehen. Neben der Ergotherapie und Einzelsitzungen zum Autogenem Training, der Progressiven Muskelentspannung und der Hypnose werden folgende Langzeittherapien üblicherweise von den Krankenkassen erstattet:

1. Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapeuten gehen davon aus, dass Verhalten, zu dem auch Gedanken, Gefühle und körperliche Vorgänge gehören, in großen Teilen erlernt wird. Das bedeutet, dass Menschen auch belastende Denk- und Verhaltensmuster „verlernen“ und hilfreiche neue Muster erlernen können. In der Verhaltenstherapie erarbeiten die Psychotherapeuten mit Dir zunächst eine Erklärung, warum Du seelisch erkrankt bist und die Erkrankung nicht von selbst wieder besser geworden ist. Sie verabreden mit Dir konkrete Therapieziele. Aus den Ursachen und Bedingungen der Erkrankung leiten sie spezielle Behandlungsmaßnahmen ab, die sie Dir vorschlagen.

Was sind Methoden der Verhaltenstherapie?

Ein*e Verhaltenstherapeut*in ermutigt Dich, die Art und Weise, wie Du andere siehst oder wie Du Dich in bestimmten Situationen verhältst, genauer zu betrachten. Dabei kannst Du Dich fragen, welchen Einfluss das auf Dein Befinden hat und was sich daran ändern lässt. Der oder die Therapeut*in kann Dir zum Beispiel helfen, den Einfluss von negativen Gedanken auf Deine Gefühle und Dein Verhalten zu erkennen. Auf dieser Basis kannst Du dann hilfreiche Gedanken entwickeln und im Alltag neue, konstruktive Verhaltensweisen ausprobieren. Das kann auch bedeuten, gemeinsam mit der Psychotherapeut*in Situationen außerhalb der Praxis oder der Klinik aufzusuchen, die Dir Angst machen (Exposition). Die Psychotherapeuten unterstützen Dich dabei, Deine Verhaltensmuster, die Du Dir meist in der frühen Kindheit angeeignet hast, besser zu verstehen und zu verändern.

Weitere Elemente der Verhaltenstherapie sind Psychoedukation (Information über die betreffende Erkrankung und ihre Behandlung) und das gezielte Training von Fertigkeiten und Kompetenzen (z.B. soziale Kompetenzen wie „Nein sagen“ oder „Kontakt aufnehmen“, aber auch Stressbewältigung und Entspannung).

Für wen oder welche Störungen ist eine Verhaltenstherapie geeignet?

Verhaltenstherapie ist dann sinnvoll, wenn jemand ganz konkrete Probleme bewältigen möchte. Insbesondere ist sie für Patienten geeignet, die gerne an konkreten Aufgaben oder Fragen arbeiten. Verhaltenstherapeuten fragen zum Beispiel:

Wann, wo und wie treten Deine Beschwerden auf? Wie häufig und wie stark sind die Beschwerden? Wie lange dauern sie an? Wie verhältst Du Dich in diesen Situationen? Wer ist daran beteiligt? Was haben die Beschwerden für Auswirkungen? Was möchtest Du erreichen? Was möchtest Du wieder tun können?

Eine Verhaltenstherapie wird unter anderem zur Behandlung von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie Suchterkrankungen eingesetzt.

Wie läuft eine Sitzung ab?

Bei einer Verhaltenstherapie sitzt Du der Psychotherapeut*in gegenüber. Die Anzahl und die Häufigkeit der Therapiesitzungen werden je nach Art der Störung zwischen Patient*in und Psychotherapeut*in vereinbart, meist einmal wöchentlich. Die Behandlung dauert in der Regel ein halbes bis ein Jahr, gegebenenfalls länger.

Die Entscheidung für eine bestimmte Art von Psychotherapie hängt immer davon ab, welche Ziele man damit verfolgt. Wenn jemand das Bedürfnis hat, tiefe Einblicke in die Ursachen seiner Probleme zu bekommen, eignet sich eher eine tiefenpsychologische oder analystische Therapie.

2. Analytische Psychotherapie

Bei der analytischen Psychotherapie stehen vor allem persönliche Lebenserfahrungen und „unbewusste“ innere Konflikte im Mittelpunkt. Diese können psychische Erkrankungen verursachen oder aufrechterhalten. Analytische Psychotherapeuten unterstützen Dich dabei, Dir dieser unbewussten Prozesse bewusst zu werden und damit negative alte Muster aufzubrechen.

Was sind Methoden in der Psychoanalyse?

Psychoanalytiker lassen Dich beschreiben, was Dir gerade durch den Kopf geht und wie Du Dich innerlich fühlst. Dabei verzichten Sie darauf, das Gesagte zu bewerten oder zu beurteilen. Sie achten nicht nur darauf, was Du mitteilst, sondern auch darauf, wie Du mit Dir selbst und dem/der Psychotherapeut*in umgehst. Im Behandlungsverlauf ergibt sich daraus eine Art Muster, welches erkennen lässt, wie Du unbewusst mit Dir und anderen Menschen in Beziehung trittst. Außerdem wird geklärt, ob dieser Umgang, der in früheren Situationen sinnvoll war, deinem gegenwärtigen Leben angemessen ist oder zu Krankheitssymptomen führt. Während der Therapie kannst Du damit ein vertieftes Verständnis für Dich selbst und Deinen Umgang mit anderen Menschen entwickeln, um aus diesen Erfahrungen lernen zu können und Auswege aus den sich wiederholenden seelischen Sackgassen zu finden.

Wie läuft eine Sitzung ab?

Während einer analytischen Psychotherapie liegst Du in der Regel auf einer Couch und hast keinen Blickkontakt zur Psychotherapeut*in. Das hat den Vorteil, dass Du in Deinen Gedanken und Gefühlen freier bist und Dich mehr Deiner inneren Welt, den Gedanken, Gefühlen und inneren Bildern zuwenden kannst. Wenn Du Dich im Liegen aber nicht wohl fühlst, kannst Du dem Therapeuten auch gegenüber sitzen.

Wie oft geht man zu einer Psychoanalyse?

Die analytische Psychotherapie ist eine Langzeittherapie und dauert zwei oder mehr Jahre. Du vereinbarst mit Deiner Psychotherapeut*in in der Regel zwei oder auch drei Therapiesitzungen pro Woche.

3. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie geht wie die analytische Psychotherapie davon aus, dass wir unser Leben nicht nur mittels unseres freien Willens gestalten, sondern dass alles, was wir fühlen, denken und entscheiden, vor allem von unbewussten psychischen Prozessen abhängt. Zu diesen Faktoren, die wir nicht wahrnehmen und beeinflussen können, gehören insbesondere tiefe innere Konflikte, die das spätere Leben besonders dann bestimmen, wenn sie in den ersten Lebensjahren aufgetreten sind.

Worauf basiert die Tiefenpsychologie?

Schon ein kleines Kind erlebt den normalen menschlichen Konflikt zwischen dem Wunsch, einerseits unabhängig und selbstständig und anderseits geborgen und aufgehoben zu sein. Manchmal kann ein Kind einen solchen Konflikt nicht lösen, weil es befürchtet, zum Beispiel Mutter oder Vater zu verlieren. Dann wird der unerträgliche Konflikt verdrängt und ins Unbewusste verschoben, um sich vor ihm zu schützen. Von dort beeinflusst er aber weiterhin unser Fühlen und Denken und vor allem unsere Beziehungen zu anderen Menschen. In einer späteren Lebensphase, wenn wir zum Beispiel eine schmerzliche Trennung erleben, können diese frühen unbewussten Konflikte unser Fühlen und Verhalten erneut stark belasten und uns sogar psychisch krank machen.

Was sind Methoden in einer tiefenpsychologischen Therapie?

Tiefenpsychologisch arbeitende Psychotherapeuten helfen ihren Patienten*innen, die unbewussten Faktoren ihrer psychischen Beschwerden herauszufinden. Zugleich unterstützen diese sie dabei, ihre Konflikte besser zu lösen, um ihnen auf diese Weise eine gesündere und weniger belastende Lebensgestaltung zu ermöglichen. Die Gespräche verlangen vom Patienten ein hohes Maß an Offenheit und Vertrauen in die/den Psychotherapeut*in.

Wie oft geht man zu einer tiefenpsychologischen Therapie?

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie findet in Einzelgesprächen, in der Regel ein- bis zweimal pro Woche, oder in einer Gruppe statt. Dieses Behandlungsverfahren kann auch kreative Therapiemethoden (Kunst-, Musik- oder Körpertherapie) mit einschließen. Eine Therapie kann zwischen drei Monaten und zwei Jahren dauern.

Welche Therapien werden nicht erstattet?

Weitere bekannte psychotherapeutische Verfahren, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden, sind die Gesprächspsychotherapie, die Gestalttherapie und die systemische Therapie. Die Ausnahme bildet die systemische Familientherapie: In der systemischen Familientherapie soll die Eigenständigkeit und der Selbstwert jedes einzelnen Familienmitglieds gestärkt, die Verständigung und der Austausch zwischen den Familienmitgliedern verbessert und schädigende Beziehungsmuster erkannt und verändert werden. Einige solche Therapien werden von bestimmten Krankenkassen übernommen.

Du möchtest mit einer Psychotherapie starten? Hier findest Du Infos, was dabei zu beachten ist.

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Aktionsbündnis Seelische Gesundheit

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Initiative, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit. Wir vertreten Betroffene von psychischen Erkrankungen, Angehörige und Experten. Gemeinsam setzen wir uns für einen offenen Diskurs über psychische Gesundheit ein.
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