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Was ist eine Psychose?

Hier erfährst Du, was eine Psychose ist. Wie oft kommt Sie vor? Was sind typische Symptome? Die Antworten auf diese Fragen haben wir für Dich zusammengefasst. Zudem gibt es Infos darüber, was Du tun kannst, wenn Du selbst betroffen bist, und wie Du anderen helfen kannst.

Was ist eine Psychose?

Das Hauptmerkmal einer Psychose ist, dass der oder die Betroffene den Kontakt zur Realität verliert. Menschen mit einer akuten Psychose hören beispielsweise Stimmen oder sehen oder fühlen Dinge, die nicht da sind.

Das Erleben einer Psychose ist für Betroffene meist sehr beängstigend. Es gilt: Je früher eine Psychose behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Wie häufig kommen Psychosen vor?

Psychosen kommen bei Männern und Frauen gleichermaßen vor und sind relativ häufig. Weltweit erkranken ca. drei bis vier Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens an einer Psychose. In Deutschland sind hochgerechnet etwa 800.000 bis 1,6 Millionen Menschen betroffen. Das Alter beim ersten Auftreten liegt meistens zwischen 15 und 25 Jahren, im Schnitt sind Männer früher betroffen als Frauen. Im Jugendalter erkranken drei von 100 Menschen an einer Psychose. Somit treten Psychosen bei jungen Menschen häufiger auf als Diabetes.*

Warum tritt eine Psychose auf?

Eine Psychose kann sich sehr vielfältig äußern, sie kann einmalig im Leben auftreten oder auch mehrmals. Mitunter ist sie das Symptom einer organischen Erkrankung, z. B. von Epilepsie, einem Hirntumor, einer Infektion, Verletzungen oder einer schwerwiegenden Stoffwechselstörung. Sie tritt aber auch als Folge oder Nebenwirkung von Medikamenten oder in Zusammenhang mit Alkohol- und Drogenmissbrauch auf. Psychotische Episoden können sich zudem als ein Teil anderer psychischer Erkrankungen darstellen, etwa bei einer bipolaren Störung, einer Schizophrenie, einer Suchterkrankung oder als Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Was sind typische Symptome?

Typisch für eine Psychose ist, dass Betroffene Dinge als real wahrnehmen, obwohl diese objektiv nicht vorhanden sind. Freunde und Verwandte merken dann vielleicht, dass etwas mit der Person nicht stimmt. Das sind häufige Symptome:

  • Wahnsymptome: Wer eine Psychose hat, erlebt eine Realität, die sich nicht mit dem Realitätserleben der anderen Menschen deckt. Typischerweise ist ein Mensch mit einer Psychose sehr überzeugt von seinen Wahrnehmungen und lässt sich auch nicht von diesen abbringen. Betroffene können beispielsweise der festen Meinung sein, von anderen verfolgt zu werden. Typisch sind auch die Gefühle, außergewöhnlich minderwertig oder an allem Unheil schuld zu sein.
  • Halluzinationen: Hierbei handelt es sich um Sinneswahrnehmungen, die ohne entsprechenden äußeren Reiz auftreten. Dazu gehören z. B. Stimmen, die mit den Betroffenen reden oder ihr Tun kommentieren. Manche Menschen mit Psychose sehen nicht vorhandene Gegenständen oder Personen (optische Halluzinationen) oder nehmen fälschlicherweise üble Gerüche war.
  • Störung der Ich-Umwelt-Grenzen: Betroffene glauben, ihre Gedanken würden von außen beeinflusst oder breiteten sich auf andere Personen aus. Die eigene Person oder Objekte der Umwelt werden unter Umständen als verändert, fremd, nicht zu sich gehörig oder unwirklich erlebt.
  • Weitere Symptome: Es können auch Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und sozialer Rückzug auftreten. Diese werden auch negative Symptome genannt.

Grundsätzlich kann jeder Mensch manchmal psychotische Symptome erleben, vor allem akustische Halluzinationen. Auch Beziehungsideen treten hin und wieder auf – etwa die Vorstellung, dass ein bestimmter Mensch oder eine Gruppe böse Absichten in Bezug auf die eigene Person hat, obwohl das in Wirklichkeit gar nicht so ist. Wir kennen das alle. Bei einer Psychose sind diese Symptome jedoch die meiste Zeit und über mehrere Wochen vorhanden, oft verbunden mit der fehlenden Einsicht der Betroffenen, dass etwas nicht stimmt.

Eine ausführliche Beschreibung aller Symptome & einen Fragebogen zur frühen Erkennung findest Du hier: www.psychose.de/wissen-ueber-psychosen-05.html

Wie werden Psychosen behandelt?

Da Psychosen sehr unterschiedlich sind und ganz verschieden wahrgenommen werden, gibt es eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten. Wichtig ist: Die Therapien sollten zu den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen und ihrer Familien passen und aufeinander abgestimmt werden. Folgende Therapien werden am häufigsten angewandt:

  • Medikamententherapie, z. B. mit sogenannten Antipsychotika, aber auch mit anderen Medikamenten
  • Psychotherapie
  • Andere Therapien, beispielsweise Familientherapie, Ergotherapie, Soziotherapie, Soziales Kompetenztraining (SKT), Metakognitives Training (MKT), Kunsttherapie, Tanztherapie oder CogPack

Generell ist es wichtig, dass die Therapie so bald wie möglich nach dem Auftreten der Psychose begonnen wird. Das gilt bei der ersten Psychose ebenso wie bei einer erneuten psychotischen Episode, also einem Rückfall.

Was kann ich im Notfall tun?

Mach einen ersten Schritt, sprich mit jemandem, den Du gut kennst und der Dich gut kennt. Bitte diese Person um Hilfe, Dich bei der Bewältigung von allem zu begleiten, was Du wahrnimmst. Wähle jemanden aus, dem Du vertrauen kannst und bei dem Du ein gutes Gefühl hast.

Kläre Deine Symptome mit Deiner Hausärztin oder Deinem Hausarzt. Sie können Dir helfen, die Situation besser einzuschätzen. Vielleicht erfolgt auch eine Verweisung an eine psychotherapeutische bzw. eine psychiatrische Praxis oder eine Früherkennungsklinik, die Dich weiter unterstützen können.

Wie kann ich einem nahe stehenden Menschen mit einer Psychose helfen?

Für Angehörige, Partner oder Freunde kann die Psychose eines nahestehenden Menschen sehr erschreckend wirken. Oft sind sie überhaupt die ersten, die merken, dass etwas nicht stimmt. Damit wird das Vertrauensverhältnis, schon bevor eine Diagnose besteht oder sogar eine Behandlung begonnen wird, stark belastet. Dabei gilt: Je enger das Zusammenleben, desto größer ist die Verunsicherung auf beiden Seiten. Es ist wichtig, dass Du Dir als „Angehörige*r“ klar machst, wie Du Dir zunächst selbst Hilfe und Informationen suchen kannst und welche Möglichkeiten Du im akuten Notfall hast. Dies sollte jedoch immer im Wissen der Betroffenen geschehen. Hier findest Du mehr zu Hilfen für Angehörige.

Du befindest Dich selbst akut in einer Krise? Dann kannst Du Dich an unsere allgemeinen Anlaufstellen für Notfälle wenden.

Weitere Infos

www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/psychosen

www.psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen/psychosen.html

Tolles interaktives Informationsportal für Betroffene und Angehörige des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf: www.psychose.de

Diskussionsforum: www.schizophrenie-online.com

*Alle Zahlen stützen sich auf die im Folgenden genannten Fachartikel.

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Aktionsbündnis Seelische Gesundheit

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Anti-Stigma-Initiative. Wir setzen uns für die Förderung der seelischen Gesundheit und für einen offenen und toleranten Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen ein. Dazu arbeiten wir in einem großen Netzwerk zusammen: Über 100 Mitgliedsorganisationen wie Selbsthilfeverbände der Betroffenen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Verbände aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik haben sich der Initiative angeschlossen. Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist in Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. und wird vom Bundesministerium für Gesundheit durch Projektförderung unterstützt.
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