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Was ist eine Depression?

Jeder ist mal down. Manche Erlebnisse, wie z.B. eine Trennung, der Verlust eines wichtigen Menschen oder eine schwere Erkrankung können uns seelisch erschüttern und in tiefe Krisen stürzen. Eine Depression ist jedoch weitaus mehr als sich mal schlecht zu fühlen und hat absolut nichts mit Schwäche zu tun. Sie ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die jeden Menschen zu jeder Zeit treffen zu kann, unabhängig von Alter, Beruf und sozialem Stand. Hier erfährst Du, was die Symptome einer Depression sind, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie Du anderen Menschen helfen kannst.

Was ist eine Depression?

Stimmungstiefs oder einfach mal „depri drauf zu sein“ ist völlig normal. Gerade in Situationen, in denen wir uns umstellen müssen, sei es hormonell z.B. in der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft oder wenn wir in eine neue Lebensphase kommen, kann es sein, dass wir innerlich mit Rückzug und gedrückter Stimmung reagieren. Bleiben diese Stimmungen jedoch über längere Zeit stabil oder treten sie in Phasen ohne äußeren Anlass auf, dann kann es sich um eine Depression handeln. Im Unterschied zu einer gelegentlichen depressiven Verstimmung oder Traurigkeit ist es bei einer echten Depression kaum mehr möglich, ein normales Leben zu führen. Gedanken, Gefühle, Verhalten und auch körperliche Empfindungen sind stark verändert.

Wie häufig kommen Depressionen vor?

16 bis 20 von 100 Menschen leiden im Laufe ihres Lebens unter einer Depression. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer*. Menschen mit einer chronischen körperlichen Erkrankung wie z.B. Krebs, Herzerkrankungen oder Diabetes haben statistisch gesehen eher mit Depressionen zu kämpfen. Depressive Erkrankungen können in jedem Lebensalter auftreten, oft in Kombination mit einer weiteren psychischen Erkrankung wie z.B. einer Angststörung oder Suchterkrankung.

Was sind typische Symptome?

Von einer Depression im medizinischen Sinne spricht man, wenn zwei der sogenannten Hauptsymptome und zwei Zusatzsymptome über mindestens zwei Wochen vorliegen. Der Verlauf einer Depression kann dabei ganz unterschiedlich sein: bei manchen Menschen tritt nur eine einmalige depressive Episode auf während andere chronisch über mehrere Jahre damit zu kämpfen haben.

  • Gedrückte, niedergeschlagene Stimmung
    Depressionen gehen oft mit einer niedergeschlagenen, gedrückten Stimmung einher. Manche Betroffene berichten auch von innerer Leere und der Unfähigkeit, eigene Gefühle wahrnehmen zu können. Sie geben an, sich innerlich wie versteinert zu fühlen.
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
    Menschen, die an einer Depression leiden, verlieren das Interesse an Dingen und Aktivitäten, die für sie früher einmal wichtig waren. So machen ihnen beispielsweise Hobbys, der Beruf, Freizeitaktivitäten oder gemeinsame Unternehmungen mit der Familie oder dem Freundeskreis keine Freude mehr.
  • Antriebsmangel und erhöhte Müdigkeit
    Bei einer Depression ist der Antrieb häufig gestört, d.h. Betroffene können sich nur schwer aufraffen, etwa zu tun oder zu erledigen. Selbst alltägliche Dinge wie Einkaufen, Aufräumen, Arbeiten usw. kann große Überwindung kosten, schnell müde machen und zum Teil einfach auch nicht bewältigt werden. Das kann sich auch im Aussehen zeigen: Das Gesicht erscheint z.B. wie versteinert und die Bewegungen kraftlos. Auch das Treffen von Entscheidungen fällt schwer: Der oder die Betroffene hat das Gefühl, wofür er sich auch entscheidet, es ist falsch.

Zusatzsymptome können sein:

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
    In einer Depression wird der oder die Betroffene nicht mehr von der Außenwelt erreicht, die Dinge sprechen ihn nicht mehr an. Manche Betroffene können sich nicht erinnern, was vor kurzem passiert ist und machen sich dann Sorgen, zum Beispiel an einer Alzheimer-Demenz erkrankt zu sein.
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
    Depressionen sind immer von dem Gefühl begleitet, aus der Situation nicht mehr herauszukommen. Betroffene sehen oft keinen Ausweg mehr und haben große Angst vor der Zukunft.
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
    Bei einer Depression sind Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen fast immer beeinträchtigt. Dies zeigt sich z.B. an einem permanenten „Herumnörgeln“ an sich selbst.
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
    Wenn Menschen an einer Depression erkranken, suchen sie die Schuld meist bei sich selbst, nicht bei den Familienmitgliedern, den Kollegen oder der Gesellschaft. Sie haben das Gefühl, das Mitgefühl und die Fürsorge anderer gar nicht zu verdienen und wollen anderen nicht „zur Last“ fallen.
  • Suizidgedanken/-handlungen
    Betroffene haben häufig den Wunsch, aus der anscheinend ausweglosen Situation irgendwie zu entkommen. Das kann bis hin zu dem Gedanken gehen, sich etwas anzutun.
  • Schlafstörungen
    Auch Schlafstörungen, meist Einschlafstörungen und ein frühes Erwachen, sind ein typisches Symptom einer Depression.
  • Verminderter Appetit
    Bei einer Depression ist oft auch der Appetit vermindert. Das Essen schmeckt nicht mehr, was zu Gewichtsverlust führen kann.

Es können auch noch weitere körperliche Symptome hinzukommen wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magen-/Darmbeschwerden, Gliederschmerzen oder der Verlust der Libido.

Mehr Infos zu den Symptomen:
www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/was-ist-eine-depression/diagnose-der-depression

Warum erkranken Menschen an einer Depression?

Weshalb Menschen depressiv werden, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftler haben beobachtet, dass meistens mehrere Faktoren zusammenspielen und eine Depression auslösen können. Viele Menschen erkranken in Übergangsphasen ihres Lebens, wenn sie eine neue Rolle übernehmen – als Student*in, Berufseinsteiger*in, Mutter, Rentner*in oder Witwe*r. Auch besondere und extrem belastende Lebensumstände und Kummer können eine Depression auslösen. Manche rutschen aber auch absurderweise nach positiven Ereignissen wie einem Uni-Abschluss, einer Beförderung, einem Umzug oder einem Urlaub in eine Depression. Auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Wenn nahe Verwandte unter Depressionen leiden, erhöht sich das Risiko, selbst zu erkranken.

Wie werden Depressionen behandelt?

Wissenschaftlich gut belegt ist die Behandlung der Depression mit Medikamenten und Psychotherapie. Zudem gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten wie die Lichttherapie oder therapeutischer Schlafentzug, die vor allem bei Aufenthalten in einer Klinik ergänzend eingesetzt werden. Auch Bewegung und Angebote der Selbsthilfe unterstützen den Weg aus der Depression. Wichtig ist, dass eine Depression früh erkannt wird, da nicht optimal behandelte Depressionen eine Hauptursache der jährlich ca. 10.000 Suizide in Deutschland sind.

Der erste Ansprechpartner bei dem Verdacht, an einer Depression erkrankt zu sein, ist er Hausarzt. Dieser zieht gegebenenfalls einen Facharzt oder Psychologen zur weiteren Behandlung hinzu.

Kann ich mich vor einer Depression schützen?

Aus der Forschung ist bekannt, dass bei mehr als 70 % der Betroffenen die Depression im Laufe des Lebens wiederkehrt. Neben Psychotherapie und ggf. Medikamenten gibt es einige Dinge, die ein*e Betroffene*r selbst tun kann, um einem Rückfall vorzubeugen. Doch auch Menschen ohne diagnostizierte Depression, die an Stimmungsschwankungen und Niedergeschlagenheit leiden, können diese Dinge beachten, um sich vor Depressionen zu schützen.

Hier unsere Top 3

  • Sport
    Ein gesunder Körper und regelmäßige Aktivität können dazu beitragen, sich auch mental wohl zu fühlen. Ein bis zwei Stunden pro Woche sollten sportliche Aktivitäten wie z.B. Joggen, Schwimmen, Wandern oder Radfahren eingeplant werden. Gemeinsamer Sport in der Gruppe hilft außerdem, sozialen Rückzug zu vermeiden.
  • Schlaf
    Schlaf ist ebenso ein wichtiger Baustein, um psychisch fit zu bleiben. Obwohl eine Depression immer mit dem Gefühl der Erschöpfung einhergeht, wird es durch frühes Zubettgehen und langes Liegenbleiben nicht besser, sondern meist sogar schlechter. Hier gilt also: kontrolliert Schlafen. Stellt man fest, dass bei einer langen Schlafzeit die Stimmung am nächsten Tag eher schlechter ist, kann man gegensteuern und den Schlaf zum Beispiel von zehn auf achteinhalb oder von neun auf acht oder siebeneinhalb Stunden reduzieren.
  • Ernährung
    Bei der Ernährung gilt vor allem, gesund und ausgewogen zu essen – nicht nur bei Depressionen.

Was kann ich im Notfall tun?

Wichtig ist: Beim Verdacht auf eine Depression musst Du das Gespräch mit einem Arzt oder Psychologen suchen! Generell ist der Hausarzt erster Ansprechpartner für die Diagnose und Behandlung von Depressionen. Bei Bedarf überweist er an einen Facharzt (Psychiater, Nervenarzt) oder an einen psychologischen Psychotherapeuten.

Im Notfall, das heißt bei konkreten Suizidgedanken wende Dich bitte sofort an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter der Telefonnummer 112.

Weitere Krisen- und Notanlaufstellen findest Du hier.

Hier findest Du ausführliche Anlaufstellen speziell für Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe

Wie kann ich Freunden oder jemandem aus meiner Familie bei einer Depression helfen?

ls Angehörige*r und Freund hast Du zunächst vor allem die Möglichkeit, Dich über die Krankheit zu informieren. So fällt es Dir vielleicht leichter, bestimmte Verhaltensweisen einschätzen zu lernen und es nicht persönlich zu nehmen, wenn sich der oder die Betroffene von dir zurückzieht. Wichtig ist, dran zu bleiben und immer wieder Angebote zu machen, gemeinsam etwas zu unternehmen oder einfach für die Person da zu sein. Und zuzuhören, wenn Redebedarf besteht. Angehörige können die oder den Betroffenen außerdem dabei unterstützen, sich professionelle Hilfe wie eine Therapie oder eine Klinik zu suchen, seine Medikamente regelmäßig zu nehmen und die Termine zur Behandlung einzuhalten. Dabei ist es wichtig, sich selbst nicht zu vergessen. Gerade wenn man sich sehr nah steht, ist es notwendig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, Dinge zu tun, die einem selbst gut tun.

Hier im Video erzählt Tania, was Angehörige bei einer Depression tun können.

*Alle Zahlen stammen aus folgenden Quellen und Info-Webseiten:

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Aktionsbündnis Seelische Gesundheit

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Initiative, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit. Wir vertreten Betroffene von psychischen Erkrankungen, Angehörige und Experten. Gemeinsam setzen wir uns für einen offenen Diskurs über psychische Gesundheit ein.
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