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Bipolare Störung – von der Manie in die Depression

In der einen Phase himmelhochjauchzend und in der nächsten zu Tode betrübt? Wir haben in unserem Leben alle „normale“ Stimmungsschwankungen. Wenn diese jedoch sehr extrem werden und neben der Stimmung auch Antrieb und Denken stark schwanken, kann es sich um eine bipolare Störung handeln. In diesem Artikel erfahrt Ihr, was eine bipolare Störung ist, wie oft sie vorkommt, welche typischen Symptome es gibt und wie man diese behandeln kann.

Was ist eine bipolare Störung?

Eine bipolare Störung zeichnet sich aus durch extreme Stimmungsschwankungen. Meist erfährt die oder der Betroffene drei Phasen: Manie, Hypomanie und Depression. Eine manische Phase zeichnet sich durch eine euphorische Stimmung und einige weitere Symptome (s. u.) aus. Weniger heftige Phasen werden als hypomane Episode bezeichnet. In depressiven Phasen schlägt die Stimmung dann ins Gegenteil um und Betroffene fühlen sich sehr niedergeschlagen. Zwischen den drei Phasen können auch symptomfreie Zeiten liegen, die teils jahrelang andauern. Man bezeichnet eine bipolare Störung auch als manisch-depressive Erkrankung. Obwohl keine genauen Ursachen bekannt sind, werden sowohl biologische Ursachen (wie Veränderungen der Botenstoffe des Gehirns oder hormonelle Veränderungen) als auch Umweltfaktoren (wie andauernder Stress oder traumatische Erlebnisse) diskutiert.

Wie oft kommen bipolare Störungen vor?

1 bis 3 Prozent der Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer bipolaren Störung*. Dabei sind Frauen und Männer gleich häufig betroffen. Im Schnitt tritt die Krankheit zum ersten Mal um das 18. Lebensjahr auf, allerdings wird sie meist erst später erkannt. Oft treten bipolare Störungen gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auf (beispielsweise Sucht-, Angst- und Zwangserkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen). Diese anderen psychischen Erkrankungen können auch die eigentliche bipolare Störung überdecken.

Was sind typische Symptome?

Bei einer bipolaren Störung schwankt die Stimmung des oder der Betroffenen immer wieder zwischen Hochstimmung und Niedergeschlagenheit, allerdings können diese Phasen auch durch Abschnitte mit ausgeglichener Stimmung unterbrochen sein. Sind die Symptome der manischen Phase nicht so ausgeprägt spricht man von einer hypomanischen Phase. Hier reicht eine meist noch eine ambulante Therapie, da die Betroffenen ihre eigene Situation noch zureichend reflektieren können. Die Symptome in den verschiedenen Phasen unterscheiden sich zum Teil stark.

Symptome der manischen Phase

  • Unbegründet gute Stimmung
  • Überhöhte Leistungsfähigkeit
  • Geringes Schlafbedürfnis
  • meist keine Krankheitseinsicht – Leugnen von auffälligen Verhaltensweisen
  • Häufige Sprünge im Handeln und Denken: Sätze und Handlungen werden oft nicht vollendet
  • Enthemmung beispielsweise in Bereichen der Sexualität oder des Kaufverhaltens
  • Bei schweren Manien kommen Züge einer Psychose dazu wie z.B. Größenwahn oder Verfolgungswahn

Symptome der hypomanischen Phase

  • Unruhe
  • Gesprächigkeit
  • gesteigerte Geselligkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten/li>
  • vermindertes Schlafbedürfnis
  • Steigerung der Libido (Liebeslust)
  • leichtsinniges Verhalten
  • gesteigerte Aktivität
  • Achtung: Hypomanien können sich in Manien entwickeln

Symptome der depressiven Phase

  • Traurigkeit bzw. Nicht-Vorhandensein von Emotionen und verminderter Antrieb
  • Fortwährendes Grübeln und negative Zukunftsgedanken
  • Höheres Schlafbedürfnis, wobei Durchschlafschwierigkeiten auftreten können
  • Weniger Selbstbewusstsein, Gefühl der Wertlosig
  • Auffälliges Essverhalten (entweder Appetitverlust oder stark vermehrter Appetit)
  • Suizidgedanken
  • Schwierigkeiten, sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren

Wie unterscheiden sich die einzelnen Phasen und Verläufe?

Bipolar-I-Störung

Bei der Bipolar-I-Störung wechseln sich Manien und Depressionen ab. Die Symptome der Manien dauern mindestens sieben Tage an und sind so stark, dass eine akute Behandlung notwendig wird. Die manischen Phasen können aber auch Monate anhalten. Darauf folgt eine Depression, die mindestens zwei Wochen anhält, aber ebenso auch viele Monate dauaern kann. Es gibt auch gemischte Episoden, bei denen Symptome der Manie und der Depression gleichzeitig auftreten. Bei 90 Prozent* der Betroffenen sind die Episoden nicht einmalig, sie treten also mehrmals auf. Dabei kommen manische Phasen seltener vor als depressive Phasen.

Bipolar-II-Störung

Von einer Bipolar-II-Störung spricht man, wenn sich nur hypomanische und depressive Phasen abwechseln.

In beiden Fällen können Rapid-Cycling-Verläufe auftreten. Das heißt, dass in einem Jahr mindestens vier depressive, manische oder hypomanische Phasen aufgetreten. Es gibt auch Patienten, die einen Ultra-Rapid-Cycling-Verlauf haben, wobei das Umschlagen von eine in die andere Phase im 48-Stunden-Rhythmus erfolgt.

Die Verläufe können von Mensch zu Mensch verschieden sein, da sie nicht nur durch das Alter zum Krankheitsbeginn, sondern auch durch andere psychische Erkrankungen beeinflusst werden können.

Wie werden bipolare Störungen behandelt?

Zumeist wird bei der Behandlung auf eine Kombination von Psychotherapie und medikamentöse Behandlung zurückgegriffen. Das kann erneute bipolare Episoden zwar nicht völlig vermeiden, aber die nächste Episode abschwächen oder den Zeitraum bis zur nächsten Episode verlängern.

Wie merkt man, dass man eine Bipolare Störung hat?

Meistens sind es die Angehörigen, denen die starken Stimmungsschwankungen bedenklich vorkommen und die dann die oder den Betroffene*n drängen sich Hilfe zu holen. Ein*e Psychotherapeut*in oder ein*e Psychiater*in können untersuchen, ob eine bipolare Störung vorliegt. Trotzdem sollten zusätzlich auch körperliche Ursachen (beispielsweise eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse) ausgeschlossen werden.

Weitere Infos

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Aktionsbündnis Seelische Gesundheit

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Anti-Stigma-Initiative. Wir setzen uns für die Förderung der seelischen Gesundheit und für einen offenen und toleranten Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen ein. Dazu arbeiten wir in einem großen Netzwerk zusammen: Über 100 Mitgliedsorganisationen wie Selbsthilfeverbände der Betroffenen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Verbände aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik haben sich der Initiative angeschlossen. Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist in Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. und wird vom Bundesministerium für Gesundheit durch Projektförderung unterstützt.
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